09. Mai 2019

«Auch als Künstler muss man den Bleistift mal auf die Seite tun und digital schaffen»

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Für das nächste art@work haben wir den Künstler Drü Egg gewonnen. Er malt Landschaften der besonderen Art. Im Interview spricht er über seinen Werdegang als Künstler und wie er Kunst und IT bei ti&m verbinden will.

ti&m: Du bist gerade aus London zurückgekommen. Wie war es dort? 

Drü Egg: Es war schön, aber auch sehr anstrengend. Wir haben fast die ganze Zeit für eine Ausstellung gearbeitet. Die Vernissage ist gerade vorbei und das Feedback war super. Bei dem Projekt konnte ich viele neue Ideen mit nach Hause nehmen. Normalerweise habe ich nach solch grossen Projekten erst einmal keine Lust mehr, in der Richtung weiterzuarbeiten bzw. ich habe auch keine neuen Ideen mehr, diesmal ist es aber anders. Ich bin voll motiviert für art@work zurückgekommen. 

 

Wie bist Du dazu gekommen, Dein Leben der Kunst zu widmen? 

Ich habe schon immer gerne gezeichnet. Kunst war daher schon immer ein grosser Teil von mir. Nach der Schule habe ich eine Gärtnerlehre gemacht. Während meiner Lehre konnte ich die gestalterische Berufsmatura nebenbei machen. Beim Gärtnern habe ich gemerkt, dass ich eher etwas im kreativen Bereich machen will. Ursprünglich wollte ich Illustration in Luzern studieren, da bin ich aber nicht angenommen worden. Über Umwege bin ich schliesslich zur Animation gekommen und habe auch das Studium an der HSLU abgeschlossen. Eigentlich ist die Abschlussarbeit bei Animation ein Film. Ich habe aber bewegte Bilder anstelle dessen gemacht. Da mir danach mein Abschlussfilm für die Bewerbung gefehlt hat, war es schwierig, mich als Animator zu bewerben. So bin ich dann in die freie Kunst gerutscht. Danach habe ich viel Zeit damit verbracht, meinen persönlichen Stil zu entwickeln, welcher bei den Leuten gut angekommen ist. Danach bekam ich erste Aufträge und Ausstellungen. So bin ich in die Kunstszene hineingewachsen. 

 

Wie bist Du zu Deinem unverwechselbaren Stil gekommen? 

Ich komme ursprünglich aus dem Character-Malen und habe am Anfang fast nur Köpfe gemalt. Etwa vor fünf Jahren habe ich mit Kollegen einen Roadtrip nach Mailand gemacht, um dort zu malen. Dabei sind wir ungewollt über den Splügenpass gefahren und nach dieser Irrfahrt entstand meine erste Skizze in meinem Stil. Der Pass hat ganz viele Serpentinen und Tunnel, was ich illustriert habe. Danach habe ich mich immer mehr in diesen Stil hineingearbeitet und ein Jahr später war ich schliesslich bereit für die erste Ausstellung. 

 

Dein Künstlername ist Drü Egg, eine Zusammensetzung aus Deinem Vor- und Nachnamen, Dominik Rüegg. Hat er noch eine tiefere Bedeutung? 

Nicht so richtig. Eigentlich ist es nur die Zusammensetzung beider Teile. Es passt in der Hinsicht aber auch gut, weil ich sehr gerne mit einfachen Formen spiele. Das Dreieck ist auch eine meiner Lieblingsformen. Beispielsweise finden sich in meinen Bildern viele Pyramiden, die auch wie ein Dreieck aussehen. 

 

Wie bist Du dazu gekommen, Dich bei uns für art@work zu bewerben? 

Ich habe damals an der Jungkunst mitgemacht. Dann habe ich von Euch ein Mail bekommen. Ich hatte das Gefühl, dass sich daraus eine spannende Zusammenarbeit entwickeln könnte, also habe ich mich auf gut Glück beworben. Und es hat sogar geklappt, was mich sehr freut. 

 

Wie passen für Dich IT und Deine Kunst zusammen? 

IT wird in der Kunst eine immer wichtigere Rolle spielen. In meinem Bereich sehe ich vor allem die Bereiche AR und VR. Besonders für Animationen sehe ich hier eine riesige Zukunft. Ich merke es auch in meiner Tätigkeit schon heute. Ich habe mir zum Beispiel vor einem Jahr ein iPad gekauft, welches meinen Workflow total verändert hat. Heutzutage muss man als Künstler auch mit der Technik gehen, den Bleistift auf die Seite legen und digital arbeiten. 

Werke von Drü Egg

Ein kleiner Einblick in das Leben und Werk von Drü Egg.

Wie kann man Kunst digital zeigen? 

Das kann sehr vielfältig sein. Angefangen bei Online-Galerien oder auch virtuellen Galerien. Wir wollten auch schon einmal eine virtuelle Graffiti-Galerie machen. In St. Gallen, wo ich wohne, gibt es leider fast keine Streetart. Mit AR könnte man so etwa Graffiti auf Wänden einblenden. Das digitale bietet Möglichkeiten, die es vorher nicht gab. Man muss sie nur nutzen und auch nutzen können. Es ist wie eine Ebene, die man den Bildern noch zusätzlich geben kann. Bei einer Illustration kann man etwa noch eine Animationsebene hinzufügen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen. Ich bin noch nicht megaeingearbeitet, aber es ist ein Feld, in dem ich mich unbedingt weiterbilden möchte. 

 

Da bist Du bei uns genau richtig. Wir haben zahlreiche Experten im Haus.

Das wäre auch eines meiner Ziele. Ich möchte mit Euren Technikern zusammen ausloten, welche Möglichkeiten es im Bereich VR und AR überhaupt gibt und wie man die mit meiner Kunst verbinden kann. In London habe ich gerade erste Erfahrungen mit 3D-Objekten gesammelt und dies würde ich gerne mit digitalen Elementen vertiefen. Man könnte etwa ein Wandbild mit 3D-Objekten kombinieren. Ich habe da recht viele Ideen. 

 

Kannst Du schon einen Einblick in Deine Ideen geben? 

Aktuell stelle ich mir die Frage, wie ich meine Wandbilder mit AR mischen kann. Welche neuen Ebenen kann ich hinzufügen und was möchte ich damit erzählen? Diese Fragen gehen mir gerade durch den Kopf. Ich möchte in einem Besprechungsraum von Euch gerne die Glasfenster als Sichtschutz bemalen. Mit AR könnten dann 3D-Elemente darin entdeckt werden, die dem Kunstwerk eine neue Ebene verleihen. Eine zweite Idee ist es, dass ich mit einigen Mitarbeitern von Euch persönliche Landschaften gestalte. In persönlichen Gesprächen will ich versuchen herauszufinden, was in die persönliche Landschaft der Person gehört. Ob es da noch eine AR- und VR-Ebene zusätzlich gibt, kann ich noch nicht sagen. 

 

Nur noch eine Frage zum Abschluss. Worauf freust Du Dich am meisten bei art@work? 

Ich freue mich am meisten, dass ich so einen grossen Partner wie ti&m habe. Dadurch möchte ich auch Wissen von Euch beziehen und gute Lehrer in die digitale AR-Welt finden. Hoffentlich wird mir dadurch der Einstieg in dieses Thema erleichtert.


Christoph Grau
Christoph Grau

Christoph Grau ist seit September 2018 bei ti&m tätig und verantwortet die Medienarbeit. Davor arbeitete er mehr als vier Jahre als Redaktor und später als stellvertretender Chefredaktor bei einem grossen Schweizer IT-Fachmagazin. Er studierte Chinawissenschaften und Geschichte an der Freien Universität Berlin.

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