15. Juni 2022

Mit SHIP einen Schritt näher in die digitale Zukunft

Special-egov-2022-SHIP-header

Health // Das Gesundheitswesen ist auf gutem Weg, Fax und Brief abzulösen. Der Standard SHIP (Swiss Health Information Processing) spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit SHIP ist es möglich, die heutigen manuellen Prozesse zwischen Spitälern und Kostenträgern abzulösen und dadurch erhebliche Kosten zu sparen.

Special-egov-2022-ship-grafik

Die Patientenadministration hat diese Tage einiges zu tun. Informationen müssen beschafft werden, möglichst schon gestern. Fragen, wie und wo Patientinnen und Patienten versichert sind, behandelt werden können oder welche Kosten gedeckt sind, gehören zum Tagesgeschäft. Meist sind mehrere Fax-Nachrichten, E-Mails und das Führen von Telefonaten notwendig, um an die gewünschten Informationen zu gelangen. Eine Garantie für den korrekten Empfänger bei der Übermittlung gibt es nicht. Wie kann da die Digitalisierung einen Schritt zur Vereinfachung beitragen?
Im Gesundheitswesen erfolgt der administrative Datenaustausch zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern heute, mit Ausnahme der Rechnung, zum grössten Teil immer noch manuell via Fax, Telefon, E-Mail oder gar per Post. Es gibt zahlreiche der Rechnung vor- oder nachgelagerte administrative Prozesse, welche aufwändig, langsam und intransparent sind. Auch die Leistungsabteilungen der Versicherungen sehen sich mit gleichen Herausforderungen konfrontiert.

SHIP – direkt von Punkt zu Punkt kommunizieren
Digitalisierung ist ein erster Schritt zur Vereinfachung. Der Meldungsstandard SHIP harmonisiert, digitalisiert und automatisiert die administrativen Prozesse zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern. Die dazu benötigten Prozesse sind durch die Spital- und Versicherungsvertreter harmonisiert und standardisiert und durch die Standardisierungsorganisation eCH offizialisiert. SHIP ist ein interaktives Punkt-zu-Punkt-Meldesystem, welches einen vollständig digitalen, standardisierten und sicheren Informations- und Meldungsaustausch ermöglicht. Der Prozess ist jederzeit transparent, der Datenschutz und die Datenqualität erfüllen höchste Standards und die Effizienz wird für alle Beteiligten markant gesteigert.

Harmonisierte Prozesse
Heute steht dank SHIP für Spitäler eine automatisierte Patienten- und Kostenträgeridentifikation zur Verfügung. Dies ist einer der ersten Prozessschritte bei der Behandlungsplanung einer Patientin oder eines Patienten. Ebenso können im Nachgang alle benötigten Meldungen für eine erfolgreiche Kostensicherung direkt zwischen den beteiligten Partnern (Spital und Versicherer/Kanton) digital, ohne Medienbruch und ohne Intermediär ausgetauscht werden. Zusätzlich sind auch die Eintritts- und Austrittsmeldung sowie alle benötigten Informationen zum Behandlungsfall Bestandteil der SHIP-Prozess-Standardisierung und können einfach und direkt via SHIP übermittelt werden.

Wie funktioniert SHIP?
SHIP stellt die technischen Hilfsmittel mit den angebundenen Central Services zur Verfügung, um den öffentlichen Standard zu implementieren. Somit können alle nötigen semantischen, prozessualen und technischen Aspekte berücksichtigt und über die technische Schnittstelle (SHIP-Connector) genutzt werden. Wird der SHIP-Connector auf der Seite der Leistungserbringer sowie auf der Seite der Kostenträger in die vorhandenen Systeme integriert, entsteht eine harmonisierte und standardisierte Interoperabilität. Der Datenaustausch erfolgt verschlüsselt und lässt sich nur vom adressierten Empfänger entschlüsseln.

Der Nutzen aller Beteiligten steigert sich mit der Verbreitung und Nutzung des SHIP-Connectors im Schweizerischen Gesundheitswesen. Deshalb haben sich bereits fast alle grossen Krankenversicherer sowie viele grosse Spitäler und Spitalgruppen zu SHIP bekannt und entsprechende Umsetzungsprojekte lanciert oder bereits realisiert. Die Helsana Versicherungen und die Solothurner Spitäler arbeiten seit bald zwei Jahren erfolgreich mit SHIP. In den kommenden Monaten nehmen weitere Gesundheitsanbieter den operativen Betrieb auf.

Standard für alle Leistungserbringer und Kostenträger
SHIP steht heute allen Krankenversicherern sowie Akut- und Psychiatriespitälern zur Verfügung. Zusätzlich zur Kostengutsprache für die stationären Fälle (Spital) werden neue eCH-Prozessstandards lanciert und die bestehenden weiterentwickelt. Als nächstes folgen die Rechnungsübermittlung und die Abbildung der ambulanten Fälle (Spital) von der Falleröffnung bis zum Fallabschluss. Zudem werden ab 2022 Spitexorganisationen aufgeschaltet, welche die Anordnung von Spitexbehandlungen im Zusammenspiel mit dem Arzt beinhaltet.

Ab 2023 können mit SHIP dann alle Fälle im Rahmen des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) und des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) abgewickelt werden. Die Unfall-, Militär-, Invaliden- und Reha-Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt aufgeschaltet. Das Effizienzpotenzial für das gesamte Gesundheitswesen wächst mit der Anzahl Teilnehmer und der Erweiterungen der eCH-Prozessstandards. Es bleibt daher noch viel zu tun. Eines ist jedoch heute schon klar: Die investierte Energie und Innovationskraft ist ein weiterer Schritt in die digitale Zukunft und kommt uns allen zugute.

 

ti&m special E-Government
Wie steht es um die digitale Transformation des Service public? In unserem Magazin ti&m special haben wir bei weiteren Digitalisierungsexpertinnen und -experten aus Politik und Verwaltung nachgefragt. Zum Download


Michael Stutz
Michael Stutz

Der erfahrene Projektleiter und Leiter Abteilung SHIP mit Wirtschaftsinformatik-Hintergrund und Weiterbildungen im Bereich Leadership und Unternehmensentwicklung kennt die Versicherungsbranche und das Gesundheitswesen bestens.

Magdalena Koj
Fragen?

Kontaktieren Sie unsere Expertin Magdalena Koj, Head E-Government.