15. Dezember 2021

Dank Liquid Working schrittweise zurück in den Alltag

Joel Mooser Portrait

Die Arbeit muss sich dem Leben anpassen, nicht umgekehrt. Das hat unser Surfer Joel Mooser dieses Jahr erfahren. In seinem Blog-Beitrag erklärt er, wie er nach einem Unfall schrittweise ins Arbeitsleben zurückgekehrt ist.

Was macht ein Walliser in der Vorweihnachtszeit? Er ist natürlich auf der Piste. So auch am 19. Dezember 2020. An diesem Tag habe ich mir den sechsten Halswirbel zertrümmert. Aus dramaturgischen Gründen würde ich gerne sagen, dass es bei einem krassen Sprung im Snowpark geschehen ist. Aber wie so häufig ist die Realität etwas unspektakulärer: Es hat mich einfach überschlagen und ich bin ungünstig mit dem Kopf auf dem Schnee aufgeprallt.

Ich konnte meine Arme und Beine nicht bewegen und habe sofort realisiert, dass etwas nicht in Ordnung ist. Nach einigen Minuten konnte ich dann zwar die Beine bewegen, die Arme wollten meinen Befehlen aber noch immer nicht gehorchen. Meine Kollegen haben sofort die Rettung alarmiert. Die war zwar schnell vor Ort, konnte aber auch nicht mehr tun, als die Air Zermatt zu benachrichtigen, die mich per Helikopter ins Inselspital nach Bern flog. Ich wurde geröntgt und für ein MRI in die Röhre geschoben. Die Diagnose stand schnell fest und mir wurde mitgeteilt, dass zwei Operationen notwendig seien. Da ich wohl in einem Schockzustand war und mit Schmerzmitteln eingedeckt wurde, war ich relativ ruhig und akzeptierte die Lage ziemlich schnell. Ändern konnte ich sowieso nichts. Ich erinnere mich noch genau, dass meine erste Frage war, wann ich nach Hause gehen könne.

In der ersten Operation wurde meine Wirbelsäule vom fünften bis zum siebten Wirbel versteift, bei der zweiten ist der zertrümmerte sechste Wirbel entfernt und ersetzt worden. Die beiden Operationen hatte ich gut überstanden und ich konnte mich bis zum 31. Dezember in einem Einzelzimmer erholen. Glücklicherweise sind wir bei ti&m privat unfallversichert, was mir diesen Luxus bescherte.

Weihnachten im Spital, Silvester in der Reha

Während dieser Zeit spürte ich die grosse Anteilnahme. Ich hatte – trotz Corona – praktisch jeden Tag Besuch und erhielt zahlreiche motivierende Nachrichten von Freunden und Kolleginnen und Kollegen von ti&m. Ich war schon ziemlich überrascht, dass Thomas, unser CEO, einer der ersten war, der mir eine SMS schrieb. Meine Kolleginnen und Kollegen aus Bern haben mir eine tolle Videobotschaft geschickt und sogar die Verantwortlichen des Projektes, in dem ich bis Dezember tätig war, haben mir einen lieben Brief geschrieben. Das hat mich sehr gefreut und motiviert. Beantworten konnte ich die vielen Genesungswünsche aber leider noch nicht, weil die Arme immer noch nicht mitmachten.

Am 31. Dezember bin ich nach Sitten in die SUVA-Rehabilitationsklinik verlegt worden. Ich war sehr froh, dass ich für die Reha ins Wallis durfte, und nicht nach Basel oder Notwil musste. So war ich nahe an Familie und Freunden. Silvester feierte ich also in einem Pflegebett in der Reha. Zu meiner Freude hat mir ti&m ein Neujahrspaket geschickt mit Tischbombe und Champagner, so war es dann doch nicht ganz so trostlos.

In der Reha hiess es arbeiten und nochmals arbeiten. Mein Tagesablauf war ähnlich durchgetaktet wie im Job: Der Therapiemarathon begann jeden Tag um 8:30 Uhr und dauerte bis 17:00 Uhr. Durch die tägliche Physio- und Ergotherapie wurden die Grundbewegungen der Arme und Hände trainiert. Jeden Tag verzeichnete ich Fortschritte wie beispielsweise die Fähigkeit, die Daumen wieder zu heben. Auch wenn es sich nur um Kleinigkeiten gehandelt hat, waren diese Fortschritte grosse Erfolge für mich.

Am 8. Januar konnte ich endlich das erste Mal nach Hause und war ab diesem Zeitpunkt im Wochenaufenthalt in der Reha. Am 9. Februar beendete ich meine Therapie und durfte ganz nach Hause – und endlich auch den Halskragen abnehmen, den ich bis dahin zur Unterstützung des Kopfes tragen musste. Die Arme konnte ich wieder ganz bewegen. In den Fingern hatte ich noch Einschränkungen, die mich aber grundsätzlich nicht im Alltag behinderten. Die wöchentlichen Physio- und Ergotherapiesitzungen zogen sich allerdings noch bis in den August hin.

In kleinen Schritten zurück zur Normalität

Am 15. Februar bin ich dann mit einem 20-Prozent-Pensum wieder in ein Kundenprojekt im öffentlichen Sektor eingestiegen. Ehrlich gesagt macht man mit 20 Prozent nicht gerade viel, aber ich war glücklich, dass ich überhaupt wieder arbeiten konnte. In den nächsten Wochen und Monaten ging es in kleinen Schritten aufwärts. Im Rahmen des Liquid-Working-Konzepts von ti&m konnte ich monatlich das Pensum kurzfristig und flexibel erhöhen, bis ich ab August wieder voll verfügbar war. Mittlerweile arbeite ich wieder in meinem normalen 80-Prozent-Pensum.

Während der mehrmonatigen Rekonvaleszenz hat mir ti&m die Möglichkeit gegeben, mein Pensum kurzfristig und individuell meinen persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Dieses Liquid Working hat es mir erleichtert, wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren. An dieser Stelle möchte ich mich für die Anteilnahme, die Briefe und die Pakete bedanken, die ich von ti&m erhalten habe! Und auch für das Verständnis, das ich von ti&m und auch von Kundenseite erfahren habe.

 

Liquid Working bei ti&m

Flexible Arbeitszeiten basierend auf dem Gleitzeitmodell und monatliche Pensumanpassungen erlauben es unseren Surferinnen und Surfern, ihr Berufsleben kurzfristig auf ihre persönlichen und privaten Bedürfnisse abzustimmen. Und weil Arbeit nicht alles ist, ermöglichen wir unbezahlte Urlaube, um die lange geplante Weltreise und andere Projekte zu verwirklichen.

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Joel  Mooser
Joel Mooser

Joel Mooser arbeitet seit September 2017 als Software Engineer bei ti&m. Er baut für diverse Kundenprojekte Microservice-Architekturen auf und entwickelt diese weiter.

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