21. Juli 2022

17 Jahre – ti&m-Surfer seit Tag 1

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Seit 2005 digitalisiert ti&m die Schweiz. Fünf unserer Surfer sind seit Tag 1 mit dabei. Wir haben mit ihnen über ihre Erfahrungen von fast zwei Jahrzehnten Digitalisierung gesprochen. Diese Woche mit René Grob.

Du hast im Januar 2005 bei ti&m angefangen – einen Monat bevor YouTube gegründet wurde. Warum hattest du dich damals entschlossen, nur ein paar Jahre nach der Dotcom-Blase bei einem Software-Start-up anzufangen?
Ich war schon seit 1998 in der Softwareindustrie tätig und für mich war immer klar, dass IT mein Ding ist. Rückblickend war es der ideale Zeitpunkt: Die Branche hatte sich im Jahr 2005 von der geplatzten Dotcom-Blase erholt und es gab Aufholbedarf.

Was war dein erster Computer? Und welchen hast du jetzt?
Mein Vater hatte ca. 1987 einen C-64 und ein Diskettenlaufwerk 1541 gekauft. Kurze Zeit später las ich eine Geschichte in einem Jugendmagazin, in der ein Junge folgendes Programm schrieb:

Code eines Jugendmagazin

Das musste ich, als technikbegeisterter Junge, natürlich sofort ausprobieren. Und tatsächlich: Das Programm zeichnete den Sternenhimmel auf den Fernseher. (Damals hatten wir noch keinen Monitor, sondern schlossen den Computer an den Fernseher im Wohnzimmer an.)

Code eines Jugendmagazins

Ich gab mich mit hellblauen Sternen auf dunkelblauem Grund nicht zufrieden und begann das Handbuch zu lesen. Bald hatte ich gelbe und weisse Sterne auf schwarzem Grund und wollte mehr ausprobieren. Ich kaufte mir ab und zu das C64-Magazin und wünschte mir Bücher über den C64 und lernte auch die Maschinensprache 6510 Assembler. Irgendwann wurde der Commodore C-64 quasi mein erster Computer. Zum Vergleich mein jetziger Computer:

Mein erster Computer:
Commodore C-64, Prozessor 6510, 8 Bit, 0.985 MHz, 1 Core, 64 KB RAM

Mein heutiger Computer:
Custom PC, AMD Ryzen 9 3900X, 64 Bit, 3.80 GHz, 12Core, 64GB RAM

Du hast dich einen grossen Teil deines Lebens mit Technologie befasst. Was fasziniert dich noch heute daran? Fasziniert sie dich mehr als früher?
Ehrlich gesagt hat sich diesbezüglich bei mir nicht viel geändert. Es ist der kreative Aspekt, der mich immer noch fasziniert: sich etwas vorstellen, es umsetzen und verbessern.

Welcher Aspekt der Technologie fasziniert dich am meisten?
Am meisten fasziniert mich, dass immer, wenn man denkt, dass man nicht mehr optimieren oder verbessern kann, ein neuer Weg gefunden wird, welcher alles Bisherige in den Schatten stellt.

Was war die sinnloseste/dümmste IT-Innovation der letzten Jahre?
Der Proof-of-Work-Konsensusmechanismus für die Blockchain macht die Erstellung von neuen Blocks langsam und verbraucht absurd viel Ressourcen und Energie. Ich erachte DeFi und Blockchain-Transaktionen aber als sinnvolle Innovationen und hoffe stark, dass sich Proof-of-Steak und Proof-of-History oder andere, ressourcenschonendere Konsensusmechnismen durchsetzen.

Was war der grösste Tech-Hype?
Das ist schwierig zu sagen. Ich erlebte viele Hypes, einige floppten sehr schnell, andere hielten sich lange. Einige Beispiele sind: XML, SOAP, EAI und ESB. Ich fand es immer wieder amüsant, wenn plötzlich alle grossen Vendors ihr bisheriges Produkt umbenannten und behaupteten, es sei jetzt dieses neue, gehypte Ding. Die Hypes kommen normalerweise nicht von den Technikern. Wir wissen in der Regel, welches Werkzeug für welchen Zweck das richtige ist. Das Problem ist viel mehr, dass jeder glaubt, er müsse jetzt diese neue Technologie um jeden Preis auch einsetzen. Dann will man plötzlich ein XML-Dokument oder die Blockchain als relationale Datenbank verwenden oder man versucht, KI als Finanzbuchhaltung oder Search-Engine einzusetzen. So absurd das klingen mag, aber jedes Jahr werden so Millionen verschwendet.

Welche Innovation/Technologie hätte deiner Meinung nach erfolgreicher sein müssen?
Open Source ist ein ungemeiner Innovationsbeschleuniger. Anstatt eine Library von Grund auf zu entwickeln, erweitert man eine bestehende und gibt diese Erweiterung als Contribution wieder zurück an die Community und profitiert gleichzeitig von allen anderen, die dies auch tun. Ohne Open Source gäbe es heute kein Cloud Computing, keine Android-Telefone, kein Kubernetes, kein Docker – nicht einmal einen Apache Tomcat Webserver. Die Entwicklung ginge viel, viel langsamer voran, wenn wir alle Libraries und Tools lizenzieren und alles selbst entwickeln müssten. Ich glaube, man sollte Patente abschaffen. Das würde auch in anderen Branchen zu vermehrter Zusammenarbeit und schnellerer und besserer Entwicklung führen.

Gibt es ein grosses technisches «Was-wäre-wenn», das dich nachts wachhält?
Das Einzige, was mich manchmal nachts wachhält, sind Softwarebugs und Software-Design-Probleme. Ich bin zum Schluss gekommen, dass sich ‹Was-wäre-wenn›-Fragestellungen schlichtweg nicht beantworten lassen und es daher verschwendete Zeit ist, sich damit auseinanderzusetzen – ausser die Zeitmaschine wird erfunden, dann würde die Frage wieder relevant.

Was, dachtest du, wird ‹the next big thing› in der Technologie? Und was war im Nachhinein betrachtet der grösste Technologiesprung?
Nachdem sich früher die Taskfrequenz der CPUs regelmässig verdoppelte, erwartete ich, dass sie sich zwar etwas langsamer, aber stetig weiter steigert. Stattdessen haben heute CPUs mehr Cores sowie grössere und schnellere L1- und L2 Caches.

Gibt es Entwicklungen im Tech-Bereich, die dich beunruhigen? Was würdest du in der IT ändern, wenn du könntest?
Die Vernachlässigung der Sicherheit bei mit dem Internet verbundenen Geräten und fehlende Updates. Sowohl Hardware als auch Software sollten mehr standardisiert werden und mehr auf Open Source aufbauen. Sicherheitslücken zu schliessen, würde so um ein Vielfaches einfacher und billiger. Die schlimmsten Sicherheitslücken sind diejenige, welche nur den Cyberkriminellen und Spionagediensten bekannt sind.


René Grob
René Grob

René Grob arbeitet seit Januar 2005 als Senior Software Developer und Software Architect bei ti&m.