29. September 2021

In wenigen Wochen vom manuellen Prozess zur digitalen Meldeplattform

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BAG // Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie veränderten sich die Bedingungen der Sektion Meldesysteme auf einen Schlag. Innerhalb weniger Wochen kletterte die Zahl der zu verarbeitenden Meldungen von 500 auf 50’000 pro Tag. Die digitale Infrastruktur musste also rasch an die veränderten Bedingungen angepasst werden. Zusammen mit ti&m hat das BAG in nur drei Wochen eine digitale Meldeplattform erstellt.

Das obligatorische Meldesystem verpflichtet Ärztinnen und Ärzte in Praxen und Spitälern sowie medizinische Laboratorien, Fälle mit übertragbaren Krankheiten dem BAG und den Kantonsärztinnen und Kantonsärzten zu melden. Die Meldungen dienen dazu, die Entwicklung der Krankheiten zu erkennen und die notwendigen Massnahmen zur Eindämmung einzuleiten. Die durchschnittlich 300 täglichen Meldungen wurden in der Regel handschriftlich ausgefüllt, per Post oder Fax verschickt und manuell verarbeitet.

Für die Digitalisierung der Prozesse wurde uns nach Jahren der Sensibilisierung das entsprechende Budget genehmigt. In einer ordentlichen Ausschreibung erhielt ti&m im November 2019 vom BAG den Zuschlag für die Entwicklung und den Betrieb einer digitalen Meldeplattform. Der Projektstart war für Februar 2020 angesetzt – dann traf die COVID-19-Pandemie die Schweiz. Bereits im Februar wurde erkannt, dass aufgrund der grossen Menge an Meldungen die manuelle Übertragung ins Meldesystem keine Option mehr war. Im Krisenmodus machten wir uns mit unserem Projektpartner ti&m daran, die Meldeplattform unter Hochdruck zu digitalisieren.

Von 500 auf 50’000 Meldungen pro Tag
Innerhalb von drei Wochen entwickelte ti&m für uns aus der bestehenden Lösung, die für 500 Meldungen pro Tag ausgelegt war, eine digitale Meldeplattform mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 50'000 Testresultaten pro Tag. Die verarbeiteten Meldungen wurden in zwei verschiedenen Datenpools erfasst. Es wurde ein Pool für positive und ein zweiter Pool für negative Tests geschaffen, was die spätere Nutzbarmachung der Daten vereinfachte. Essentiell war, dass alle bestehenden Bundes-Logins für die Meldeplattform genutzt werden konnten (CH-Logins und FED-Logins). Eine zusätzliche Einbindung der Logins von Health Info Net (HIN) folgte, da die Mehrheit der Schweizer Ärztinnen und Ärzte auf dieser Plattform registriert ist. Um den Zugriff auf die Meldeplattform zu erleichtern, integrierten wir zudem die Authentisierungsplattform vom Bund «eIAM». Die stetig wachsende Datenmenge, welche die Meldeplattform täglich zu verarbeiten hatte, erforderte eine rasche Skalierung der Kapazitäten der Systeme. Unser Partner ti&m zeigte hier Flexibilität und erweiterte das System auf die erwarteten 50’000 Meldungen pro Tag.

Bei der Umsetzung des Projekts gab es zwei grosse Herausforderungen: der enorme Zeitdruck und die hohen Anforderungen an den Datenschutz. Die funktionsfähige Plattform erstellten wir, dank der Unterstützung von ti&m, in nur drei Wochen. Dabei galt es, gegenüber den meldenden Einheiten bestehende Prozesse und Infrastrukturen zu nutzen, um den Mehraufwand für die Laboratorien, Spitäler und Ärztinnen und Ärzte zu minimieren. Es galt, die Implementierung in einem Umfeld mit besonders schützenswerten Personendaten umzusetzen. Die heutige Lösung erfüllt höchste Sicherheitsansprüche an die Datenhaltung und die Zugriffsregelungen.

Fazit:
Die zeitnahe und vollständige Erfassung der Fallzahlen ist ein kritischer Erfolgsfaktor für die Beurteilung der Lage und Steuerung der Pandemie. Mit den explosiv anstei-genden Fallzahlen zu Beginn der COVID-19-Krise musste das System, das für 500 Meldungen pro Tag ausgelegt war, auf 50’000 pro Tag skaliert werden. In Zusam-menarbeit mit unserem Projektpartner ti&m ist uns dies in Rekordzeit gelungen. Mit enormem Engagement, exzellenter Zu-sammenarbeit und dem treibenden Faktor der rasant steigenden Fallzahlen wurde in drei Wochen eine digitale Meldeplattform gebaut. Damit stellten wir sicher, dass den Entscheidungsträgern aus Politik und Wissenschaft täglich verlässlich die Datengrundlage zur Verfügung steht, um die Situation beurteilen und die nötigen Massnahmen ergreifen zu können.


Andreas Garbin
Andreas Garbin

Andreas Garbin arbeitete in Forschungs- und Digitalisierungs-projekten bei ABB und Axpo, bevor er 2016 das Dienstleistungs-unternehmen Apexa gründete, das auf das Management von Digita-lisierungsprojekten spezialisiert ist. Während der COVID-19-Pandemie wurde der eidg. dipl. Wirtschafts-informatiker vom BAG mit der Leitung der COVID-19-Meldesysteme betraut.